Bärendelle

Investor

geschrieben am: 07.04.2014 von: Bürgerinitiative Bärendelle in Kategorie(n): Pressemitteilungen

Bärendelle ist kein Luftschloss/Lustschloss – Wohnungen gibt es genug
Zu den Aussagen der Stiftung „Mein Wohnen“ der Cepheus

Die Bürgerinitiative Bärendelle sieht in den Plänen der Investors „Stiftung Mein Wohnen“ eine große Gefahr für den Stadtteil und das Gebäude selbst. Hier wird aus unserer Sicht in unverantwortlicher Weise ein Luftschloss konstruiert. „Exklusive Verhandlungen“ mit dem Investor – so heißt es, wenn nur ein Bewerber da ist. Zudem müssen wir uns bei den Aussagen des Bewerbers fragen, wie seriös dessen Aussagen in Bezug auf diese Planungen sind.

Wir halten es kaum für möglich, 60 Wohnungen mit Balkon oder Loggia in dem denkmalgeschützten Gebäude einzurichten. Die nötigen Ein-, An- und Umbauten führen zwangsläufig zu nicht übersehbaren Veränderungen am Aussehen des Gebäudes. Das ist wohl kaum dem Status als Baudenkmal dienlich. Wollen wir, dass so mit schützenswerten Gebäuden umgegangen wird? Mittlerweile ist doch vielen klar geworden, dass es in Essen einige Abriss- und Bausünden gibt, bei denen auch der Denkmalschutz außer Kraft gesetzt wurde.

Es geht bei der Entscheidung, ein Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, nicht um Legislaturperioden, sondern darum kommenden Generationen begreifbar und sichtbar ein Stück Geschichte zu erhalten. Darunter sollten auch nicht nur Sakralbauten und (Geld)Adelsdomizile fallen. Dies wird nicht dadurch erreicht, dass man Luftschlösser zu Lustschlössern ausbaut.

Auch die genannte Investitionssumme von 5 bis 6 Millionen Euro für eine Wohnsanierung wird der Sache nicht gerecht und scheint uns absolut unrealistisch. Die Anneliese Brost-Stiftung hatte einen Investitionsaufwand 15 bis 16 Millionen Euro veranschlagt.

In Essen gibt es einen hohen Wohnungsleerstand. Warum sollen also ausgerechnet in die Bärendelle 60 Wohnungen? Bei einem so entspannten Wohnungsmarkt ist das völlig unnötig. Diesem Stadtteil und dem größeren Einzugsgebiet fehlt etwas völlig anderes: Freiraum!

In einem der dichtesten besiedelten städtischen Räume des Ruhrgebiets (Frohnhausen, Altendorf und Holsterhausen) brauchen die Menschen Raum für ihre Interessen und Bedürfnisse, für Kinder und Jugendliche, für SeniorInnen, junge Familien. Die sozialen und kulturellen Angebote, vor allem die nicht-kommerziellen Angebote, wurden in den letzten Jahren immer weiter gekürzt und gestrichen. Problemlagen eines Stadtteils werden nicht dadurch gelöst, dass man diese in andere Bezirke verdrängt.

Eine gemeinnützige Nutzung von 500 bis 1.000 Quadratmetern, die mit Mietern verträglich ist, bedeutet doch im Klartext: keine Proberäume für junge MusikerInnen, kein Theater, kein Kinosaal, keine Kinder, kein Ort der offenen Kommunikation.

Hinzu kommt die Frage, wie mit dem Park vor dem Gebäude umgegangen wird. Wir befürchten, Bolzplatz, Spielplatz, die Tischtennisplatten und der öffentlich zugängliche grüne Fleck wären weg. Dies wäre fatal in einem Stadtteil mit ohnehin wenigen zusammenhängenden Grünflächen, die von der Allgemeinheit genutzt werden können.

Selbst wenn es den Willen gibt, in der Bärendelle gemeinnützige Einrichtungen zu beherbergen, so bleibt doch die Frage offen, warum die Stiftung nicht einmal mit der Bürgerinitiative Bärendelle Kontakt aufgenommen hat, um darüber zu sprechen, was sinnvoll und möglich ist. Sollten die Menschen, die hier leben, das nicht am besten wissen? Die Stadtverwaltung möchte offensichtlich gar nicht mehr mit uns sprechen, weil wir darauf aufmerksam gemacht haben, dass sie das Haus verkommen lässt. Aber ist das nicht der BürgerInnen Pflicht? Waren alle, bisher leider unfruchtbaren, Gespräche mit der „Stadt“ nur Hinhaltetaktik?

Wir fordern weiterhin Gespräche mit dem Rat der Stadt Essen über die Zukunft der Bärendelle ein. Wir werden weiter für unsere Forderung nach einem soziokulturellen Zentrum in der Bärendelle zu kämpfen.

Verabschiedet auf der Versammlung der Bürgerinitiative Bärendelle am 07. April 2014

Vorstand der Bürgerinitiative Bärendelle
Christian Stauer, Ralf Schubert, Dominik Saloks, Diana Kummer,
Ute Jonetat, Sven Federupp, anke Dussmann

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